Kritisches Denken ist vielfältiges Denken

Kritisches Denken ist vielfältiges Denken

Eine der meistgeforderten Fähigkeiten in der Bildung ist jene, dass Schülerinnen und Schüler lernen, kritisch zu denken.

Diese Forderungen gehen einerseits darauf zurück, dass mit den digitalen Medien Informationsquellen immer umfangreicher und teilweise auch manipulierbar sind (werden). Andererseits bietet die Vielfalt der Medien heutzutage fast jedem die Möglichkeit zu publizieren, ohne dass die Inhalte zuvor kritisch geprüft werden.

Für die Prüfung eines Inhalts ist also jede und jeder selbst verantwortlich.  

Viele hätten die Welt gerne so einfach und verständlich wie möglich. Dinge sind entweder gut oder schlecht, Ansichten entweder richtig oder falsch.

Die meisten Themen und Probleme dieser Welt sind jedoch zu komplex für ein Schwarz-Weiss-Denken.

Kritisches Denken beginnt deshalb damit, sich bewusst zu sein, dass nicht nur verschiedene Personen, sondern auch jeder Mensch selbst zu einem Thema…

  • nur positive,
  • nur negative,
  • positive und negative (ambivalente),
  • gar keine klaren (indifferente)

…Gefühle und Meinungen haben kann.

Das tönt banal, ist es aber oft nicht, wenn man im Alltag merkt, dass man nicht einfach hierfür oder dafür einstehen kann.

Geh-Lernt

Geh-Lernt

Die Entwicklungspsychologie weist einen starken Zusammenhang zwischen der motorischen und der kognitiven Entwicklung nach. Wer die Welt erkunden und erfahren kann, geht mit ihr eine Beziehung ein.

Dass dies nicht nur für die frühe Entwicklung gilt, zeigen verschiedene Studien und Empfehlungen:

Das (Schweizerische) Bundesamt für Gesundheit empfiehlt mindestens eine Stunde Sport (Bewegung) pro Tag.

Kinder, welche zu Fuss zur Schule kommen, können sich gemäss amerikanischen Studien wesentlich besser konzentrieren als solche, die zur Schule gefahren werden.

Von Sokrates über Beethoven bis Steve Jobs waren viele kluge Köpfe bekannt dafür, ihre Inspiration im Spazieren und im Gehen zu finden.

Sich gehend mit jemandem auszutauschen hat einen grossen Effekt auf die Kreativität, auf das Verarbeiten und auf das nachhaltige Lernen.

Statt also am Ende der Lektion sitzend Ergebnisse oder Lösungen zu vergleichen, können Schülerinnen und Schüler gemeinsam auf einem Spaziergang (ums Schulhaus) ihre Erfahrungen austauschen – man kann ja nachher immer noch im traditionellen Stil korrigieren, wenn es notwendig erscheint; oder aber die Erkenntnisse in einem Lerntagebuch festhalten.

Phasen der Kreativität

Phasen der Kreativität

Graham Wallas hat den Prozess des kreativen Denkens in einem Modell zusammengefasst. Dieses Modell besteht aus vier Phasen.

In der Phase der Exploration (Entdeckung) begegnet man einer Frage oder einem Problem, für das es noch keine Lösung gibt. Das Problem weckt jedoch die Neugier sowie die Leidenschaft und lässt einem nicht mehr los.

In der Phase der Inkubation (Reifung) versucht man verschiedene Lösungsideen aus, welche aber nicht zum erhofften Resultat führen. Deshalb lässt man vom Problem ab und löst die (bewussten) Gedanken davon.

In der Phase der Illumination (Erleuchtung) kommt man, oft auch unerwartet, zum Aha-Erlebnis. Nicht selten geschieht dies, wenn man im Schlaf, bei einem Spaziergang oder bei einer alltäglichen Tätigkeit eigentlich mit etwas ganz anderem beschäftigt ist oder wenn man die Gedanken einfach schweifen lässt.

In der Phase der Verifikation (Umsetzung) wird die gewonnene Einsicht eingeordnet und möglichst gezielt in die Problemsituation eingebunden. Nun zeigt sich der Wert der neuen Idee. Oft braucht es dabei die Vernetzung mit weiteren Personen, welche zusätzliches Fachwissen einbringen oder sich an der Überprüfung und Ausgestaltung der innovativen Lösungsidee beteiligen.

Kreativität fördern (Teil 2)

Kreativität fördern (Teil 2)

Persönlichkeit

Um divergentes Denken zu pflegen und verschiedene Lösungen zu akzeptieren, muss man mit Ungewissheiten umgehen zu können. Man muss bereit sein, Energie und Zeit zu investieren, die sich möglicherweise nicht auszahlen. Ebenso braucht es Selbstvertrauen, eigene (einzigartige) Ideen weiterzuverfolgen, auch wenn andere den Wert (noch) nicht sehen.

Motivation

Weil der Erfolg von kreativen Ideen oft ungewiss ist, braucht es ein hohes Mass an eigener (intrinsischer) Motivation. Oft ist diese mit viel Leidenschaft verbunden und konzentriert sich mehr auf das Tun als auf mögliche Gewinne.

Wenn sehr viel Druck erzeugt wird oder wenn sehr hohe Erwartungen vorhanden sind, leidet darunter oft die Kreativität.

Umfeld

Wer Risiken eingeht, braucht ein unterstützendes und grosszügiges Umfeld. Eltern und Lehrpersonen von kreativen Kindern zeichnen sich dadurch aus, dass sie diese ermutigen und es ihnen erlauben, auch unkonventionelle Ideen zu verfolgen. Dabei schaffen sie Voraussetzungen und Raum (räumlich sowie zeitlich) zum Ausprobieren.

Kreativität fördern (Teil 1)

Kreativität fördern (Teil 1)

Gemäss einer Theorie von Sternberg und Lubart haben kreative Menschen einige gemeinsame Eigenschaften, die von Eltern und Lehrpersonen gefördert werden können. 6 Förderbereiche sollen in diesem und dem nächsten Blogartikel aufgezeigt werden:

Denkweise

Kreativität gründet auf einer divergenten, offenen Denkweise. Diese steht teilweise im Widerspruch zum traditionellen, konvergenten Schuldenken, welches auf dem direktesten Weg auf die eine richtige Lösungen abzielt.

Intellektuelle Ressourcen

Kreativität ist nicht planloses Chaos, das rein zufällig zu Erfolgen führt. Kreativität braucht auch intellektuelle Fähigkeiten. Um kreativ zu sein, muss man neue Probleme finden oder alte Probleme auf eine neue Weise zu betrachten.

Ebenso beinhaltet Kreativität die Fähigkeit, eine Vielzahl von Ideen miteinander zu vergleichen und die beste auszuwählen.

Schliesslich geht es auch um die Kompetenz, andere vom Wert einer neuen Lösungsidee zu überzeugen und diese gemeinsam umzusetzen.

Wissen

Kreativität baut auf Wissen. Howard Gruber sagte, Erleuchtung kommt zu einem vorbereiteten Hirn. Man kann nur erkennen, was man (zumindest ansatzweise) versteht. Dafür braucht es ein fundiertes Grundwissen.

Kreative Intelligenz

Kreative Intelligenz

Kreativität ist die Fähigkeit, neue und nützliche Ideen zu generieren, die von anderen gleichermassen als wertvoll und nützlich beurteilt werden.

Es lässt sich also nicht jedes Verhalten oder jedes Produkt beliebig mit das ist eben kreativ entschuldigen oder begründen.

Kreativität beruht auf divergentem Denken.

Dieses will möglichst viele Lösungsideen generieren und akzeptiert Ambiguität (Mehrdeutigkeit) und Unbestimmtheit als Teil der Wahrheit. Kreativität braucht deshalb auch Zeit.

Damit steht es im Gegensatz zum traditionellen, konvergenten Schuldenken, welches darauf abzielte, möglichst schnell die eine richtige Lösung oder Schlussfolgerung zu finden.

Kreativität ist mehr durch das förderliche Umfeld als durch angeborenes Talent erklärbar, auch wenn eine gewisse Abhängigkeit zum traditionellen IQ besteht.

Eltern und Lehrpersonen kreativer Kinder haben gemeinsam, dass sie Neugier fördern und Freiheiten ermöglichen, um individuelle Interessen zu verfolgen. Dabei akzeptieren sie, dass kreative Menschen manchmal auch ein wenig unorthodox oder rebellisch denken und wirken.